Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) schlägt Alarm wegen der sich rapide verschlechternden Lage in der Provinz Süd-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo (DRK, DR Kongo), insbesondere in den Territorien Fizi und Mwenga. Am Mittwoch warnte OCHA, dass allein in einer Ortschaft mehr als 170.000 Vertriebene von lebenswichtiger Hilfe abgeschnitten sind.
Der jüngste Bericht von OCHA über den Zugang zu humanitärer Hilfe zeigt, dass anhaltende Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen und Restriktionen im zweiten und dritten Quartal 2025 den Zugang zu humanitärer Hilfe an einigen Orten, darunter Minembwe, Itombwe und Hauts Plateaux, stark eingeschränkt oder vollständig blockiert haben.
Seit Mai sind diese Gebiete aufgrund strenger Einschränkungen durch nichtstaatliche bewaffnete Gruppen fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, darunter die Sperrung wichtiger Straßen zwischen Fizi und Minembwe und die Verweigerung des Zugangs für humanitäre Organisationen. Berichten zufolge haben Drohungen mehrere Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zum Rückzug gezwungen.
OCHA zufolge sind die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung verheerend. Allein in Minembwe sind mehr als 170.000 Vertriebene und zurückgekehrte Menschen von lebenswichtiger Hilfe abgeschnitten.
Unterdessen steht das Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch. Mehrere Einrichtungen leiden unter anhaltendem Mangel an Medikamenten und Hilfsgütern. Besonders alarmierend ist die Lage im Minembwe General Reference Hospital.
Von Juli bis September 2025 waren dort über 60 Prozent (25 von 40) der registrierten Todesfälle Kinder. Nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern lag die Sterblichkeitsrate bei Fällen von schwerer akuter Unterernährung (SAM) bei 29 Prozent, wobei 16 von 55 aufgenommenen Kindern gestorben sind.
OCHA berichtet, dass sich die Ernährungssicherheit rapide verschlechtert. Durch Straßensperren sind die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe geschossen. So haben sich beispielsweise die Zuckerpreise versechsfacht und die Kosten für Maniokmehl haben sich seit Januar mehr als verdreifacht.
„Unsere Partner haben Vorräte, darunter Medikamente und Ernährungssets, in benachbarten Städten vorrätig, aber sie können aufgrund der unsicheren Lage nicht geliefert werden“, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Mittwoch vor Journalisten in New York.
„Wir fordern alle Parteien dringend auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und einen sicheren, ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit lebensrettende Hilfe diejenigen erreichen kann, die von der Gewalt eingeschlossen sind.“
Trotz der Unsicherheit und der Zugangsbeschränkungen sind einige humanitäre Hilfsorganisationen aus der Ferne tätig und warten auf einen sicheren Zugang, um Hilfsgüter zu liefern. Lebenswichtige Hilfsgüter wurden in Baraka, Uvira und Bukavu deponiert.
Laut OCHA planen Hilfsorganisationen eine Notfallmission, um die Lieferung von Hilfsgütern an die betroffene Bevölkerung zu ermöglichen. Humanitäre Teams sind startbereit, sobald bewaffnete Akteure die notwendigen Sicherheitsgarantien für ihre Bewegungen abgeben.
Die DRK erlebt eine der größten und komplexesten humanitären Krisen weltweit
Seit Jahren spitzt sich die Menschenrechts- und humanitäre Krise in der Demokratischen Republik Kongo immer weiter zu, sodass die Vereinten Nationen wiederholt vor der dramatischen Lage gewarnt und die internationale Gemeinschaft aufgefordert haben, der Notlage der kongolesischen Zivilbevölkerung mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Die östlichen Provinzen, insbesondere Süd-Kivu, Nord-Kivu und Ituri, sind seit Jahrzehnten von Gewalt geplagt, da nichtstaatliche bewaffnete Gruppen um die Kontrolle über die reichen natürlichen Ressourcen der Region kämpfen. Viele der Menschen, die zur Flucht gezwungen wurden, sind mehrfach vertrieben worden. Zu den dringendsten humanitären Bedarfen gehören Nahrungsmittel, Schutz, Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Land mit mehreren großen Notlagen im Gesundheitsbereich zu kämpfen hat, darunter Masern, Mpox und Cholera. Seit Anfang dieses Jahres hat die DRK einen besorgniserregenden Anstieg von Epidemien zu verzeichnen, speziell von Masern und Cholera.
Trotz der Schwere der Lage ignoriert die Weltgemeinschaft die andauernde Notlage weitgehend. Mit mehr als 21 Millionen Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, erlebt das Land eine der größten und komplexesten humanitären Krisen weltweit.
Laut der jüngsten Analyse zur Ernährungssicherheit werden voraussichtlich 26,6 Millionen Kongolesen bis Anfang 2026 unter einer Hungerkrise oder einer schlimmeren Form des Hungers leiden. Am dramatischsten ist die Lage in den von Konflikten heimgesuchten östlichen Provinzen Nord-Kivu, Süd-Kivu, Ituri und Tanganyika. Andauernde Konfliktsituationen, Gewalt, Vertreibung und eingeschränkter Zugang zu humanitärer Hilfe verschärfen die Ernährungsunsicherheit in diesen Provinzen.
Bis Januar 2026 werden voraussichtlich mehr als 10 Millionen Menschen – etwa ein Drittel der Bevölkerung in diesen vier Provinzen – von einer Hungerkrise betroffen sein, wobei sich 3 Millionen bereits jetzt in einer Notlage befinden. Dies Zahl entspricht 75 Prozent aller Kongolesen, die landesweit von einer Hungernotlage betroffen sind, was einen erheblichen Anstieg um 700.000 Menschen seit März 2025 bedeutet.
Gravierende Zugangsbeschränkungen und fehlende Finanzmittel behindern weiterhin die gesamten humanitären Hilfsmaßnahmen, sodass viele Nothilfeorganisationen gezwungen sind, ihre Aktivitäten einzuschränken, was lebensrettende Dienste für Menschen in Not beeinträchtigt. Infolgedessen ist das Leben von Millionen Menschen im Land gefährdet.
Der humanitäre Bedarfs- und Reaktionsplan für 2025 sieht 2,5 Milliarden US-Dollar für die Unterstützung von 11 Millionen Menschen im Land vor. Derzeit sind jedoch nur 20 Prozent der Mittel aufgebracht, bisher wurden lediglich 514 Millionen US-Dollar bereitgestellt.