Die Sorge um Zehntausende Menschen, die offenbar in der Stadt El Fasher im Westen der sudanesischen Region Darfur eingeschlossen sind, hält weiter an. Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen gehen jedoch davon aus, dass sie bald Zugang zu der umkämpften Stadt erhalten, in der Hungersnot herrscht. Unterdessen deuten Drohnenangriffe in und um die Hauptstadt Kadugli des Bundesstaates Süd-Kordofan sowie in der Stadt Dilling auf eine sich rapide verschlechternde Sicherheitslage hin.
Während aus der gesamten Region Kordofan im Sudan immer mehr zivile Todesopfer gemeldet werden, darunter auch solche durch Beschuss, Drohnenangriffe und Hinrichtungen, und vertriebene Familien dringend Unterkünfte, lebensnotwendige Güter, Gesundheitsdienste sowie Hilfe in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene benötigen, herrschen in El Fasher, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur, weiterhin katastrophale Zustände.
„Das Wenige, was derzeit über die aktuellen Bedingungen in El Fasher bekannt ist, ist in der Tat mehr als schrecklich“, sagte Ross Smith, Direktor für Katastrophenvorsorge und -hilfe beim Welternährungsprogramm (WFP), am Freitag vor Journalisten in Genf.
„Wir wissen, dass möglicherweise zwischen 70.000 und 100.000 Menschen in der Stadt selbst eingeschlossen sind.“
Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Ende Oktober mehr als 100.000 Menschen aus der Stadt und den umliegenden Dörfern vertrieben worden. Interviews mit neu vertriebenen Familien bestätigen, dass einige Zivilisten immer noch in El Fasher gefangen sind, da viele aufgrund exorbitanter Transportkosten, Lösegeldforderungen und fehlender sicherer Passagen nicht fliehen können.
Ende Oktober eroberten Kämpfer der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), die seit April 2023 Krieg gegen die sudanesische Armee führen, nach einer 500-tägigen Belagerung El Fasher. Die Lage in El Fasher ist katastrophal: Es herrscht Hungersnot, und Familien können sich die knappen Lebensmittelvorräte nicht leisten.
Das UN-Menschenrechtsbüro hat gewarnt, dass die Menschen gezwungen sind, Erdnussschalen und Tierfutter zu essen . Satellitenaufnahmen zeigen blutige Spuren von Massenmorden an Zivilisten und Hinrichtungen aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit.
Humanitäre Organisationen betonen, dass die Sicherung des Zugangs für Hilfsteams angesichts der Kommunikationsunterbrechungen, die die Verbindung zu den in El Fasher verbliebenen Menschen weitgehend unterbunden haben, weiterhin oberste Priorität hat. Überlebende "beschreiben die Stadt als einen Tatort mit Massenmorden, verbrannten Leichen und verlassenen Märkten“, erklärte Smith.
Bei einem schweren Zwischenfall am 28. Oktober töteten Kämpfer der RSF Berichten zufolge mehr als 460 Patienten und ihre Begleiter, als sie das saudische Krankenhaus in El Fasher angriffen, nachdem die paramilitärische Gruppe die Stadt eingenommen hatte.
„Wir fordern weiterhin einen ungehinderten Zugang zu El Fasher, um den Menschen, die in der Stadt gefangen sind, dringend helfen zu können“, betonte der WFP-Vertreter.
„Nach den Gesprächen gestern gehe ich davon aus, dass wir mit den Rapid Support Forces eine grundsätzliche Einigung über eine Reihe von Mindestbedingungen für den Zugang zur Stadt erzielt haben. Wir gehen daher davon aus, dass wir dies sehr bald tun können, um erste Bewertungen und Erkundungen durchzuführen. Nach mehr als anderthalb Jahren Belagerung sind die lebensnotwendigen Güter vollständig aufgebraucht.
Smith merkte an, dass diejenigen, denen die Flucht aus El Fasher gelungen ist, ihr Leben auf Straßen riskiert haben, die „mit Minen übersät“ sind und auf denen noch nicht explodierte Kampfmittel liegen.
Tawila: Mehr als 650.000 Menschen benötigen dringend Hilfe
Viele haben in Tawila Zuflucht gefunden, einer bis vor kurzem kleinen Wüstenstadt, die sich zu einer riesigen Vertriebenensiedlung für mehr als 650.000 Menschen entwickelt hat – das entspricht der Einwohnerzahl Luxemburgs. Andere Vertriebene haben in Ad Dabbah im Northern State Zuflucht gesucht.
Hilfsteams der Vereinten Nationen und ihre Partner bemühen sich weiterhin um Zugang zu allen Notleidenden. Derzeit sind vom WFP unterstützte Konvois „auf dem Weg nach Tawila, mit Vorräten für 700.000 Menschen für den nächsten Monat“, so der WFP-Vertreter.
„Dies sind Familien, die viele Monate lang unter Hungersnot und massiven Gräueltaten gelitten haben und nun unter überfüllten Bedingungen mit sehr begrenzter Unterstützung leben. Es gibt nicht genügend Unterkünfte für die Menschen, viele leben in sehr provisorischen Behausungen: aus Gras, Stroh usw. Cholera und andere Krankheiten breiten sich aus.”
Die meisten Familien in Tawila flohen im April 2023 aus dem Lager Zamzam für Binnenvertriebene (IDPs), als die RSF das größte IDP-Lager des Sudan, in dem zu diesem Zeitpunkt rund 500.000 Menschen lebten, brutal überfiel. Glecihwohl fliehen weiterhin Menschen aus El Fasher und treffen in Tawila ein.
Die Ankommenden sind auf der Suche nach Hilfe mehrfach weitergezogen und berichten von Raubüberfällen, Plünderungen und Schießereien entlang der Route. Die UN und ihre Partner stocken zwar die humanitäre Hilfe auf, doch der Bedarf übersteigt bei weitem die verfügbaren Ressourcen.
Außerdem kommen weiterhin Tausende Menschen, die vor der Gewalt in Darfur und Kordofan fliehen, im Northern State an.
Unterdessen wurden im Bundesstaat Süd-Darfur Berichten zufolge etwa 30 Zivilisten getötet und viele weitere verletzt – darunter Frauen und Kinder – bei einem Drohnenangriff am Montag in Katila, einer Stadt etwa 150 Kilometer südwestlich von Nyala. Der Angriff, der einen Ort unter der Kontrolle der RSF traf, unterstreicht die verheerenden Auswirkungen der zunehmenden Luftangriffe auf Zivilisten.
Dieser Vorfall ereignete sich zu einem Zeitpunkt, an dem die Zahl der Opfer der eskalierenden Gewalt gegen Zivilisten in den Regionen Darfur und Kordofan rapide zunimmt, insbesondere durch eine Häufung von Drohnenangriffen. Weitere zivile Opfer wurden bei einem separaten Angriff auf die Stadt Kutum im Bundesstaat Nord-Darfur am selben Tag gemeldet.
Region Kordofan: Gräueltaten und Vertreibung gehen weiter
Hilfsorganisationen im Sudan schlagen Alarm, da die Zivilbevölkerung in der Region Kordofan unter einer sich verschärfenden humanitären Krise leidet, die durch eine Eskalation des bewaffneten Konflikts gekennzeichnet ist. Die Zivilbevölkerung ist zwischen die Fronten geraten und ist extremer Gewalt, Vertreibung, Einsperrung und Verhungern ausgesetzt.
Inmitten des sich in den letzten sechs Wochen verschärfenden Konflikts wird aus zahlreichen Gebieten der Bundesstaaten Süd-, Nord- und West-Kordofan von einer steigenden Zahl ziviler Todesopfer berichtet, darunter durch Beschuss, Drohnenangriffe und Hinrichtungen.
Nach der Einnahme der belagerten Stadt El Fasher in Darfur durch die RSF Ende Oktober verlagerten sich die intensiven Kämpfe im Sudan nach Osten. Die Zivilbevölkerung in der Region Kordofan ist nun einem stark erhöhten Risiko von Gräueltaten ausgesetzt.
Am 4. Dezember wurden Berichten zufolge mindestens 116 Menschen – darunter 63 Kinder – getötet, als von der RSF gesteuerte Drohnen einen Kindergarten und ein Krankenhaus in Kalogi, Süd-Kordofan, angriffen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umfasst diese Zahl der Todesopfer sowohl die Opfer des ersten Angriffs auf den Kindergarten als auch die Opfer der anschließenden Angriffe auf das Krankenhaus während der Evakuierung der Patienten.
Zu den weiteren gemeldeten Vorfällen in der Region zählen Angriffe auf Schulen, Krankenhäuser, Lager für Binnenvertriebene, Märkte, humanitäre Helfer und Hilfsgüter. Während der Ausschuss zur Überprüfung von Hungersnöten (Famine Review Committee, FRC) eine Hungersnot in der Hauptstadt von Süd-Kordofan, Kadugli, bestätigt hat, leiden die Menschen in Dilling, ebenfalls in Süd-Kordofan, unter ähnlichen Bedingungen, und eine Hungersnot gilt dort als sehr wahrscheinlich.
Drohnenangriffe in und um Kadugli und Dilling deuten auf eine sich rapide verschlechternde Sicherheitslage hin. Am Dienstag forderte die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung-Nord Berichten zufolge die Zivilbevölkerung auf, Kadugli zu evakuieren, da es Berichte über eine verstärkte militärische Mobilisierung gab, was Befürchtungen einer bevorstehenden Konfrontation schürte.
„Es muss oberste Priorität sein, zu verhindern, dass sich die Verwüstungen von El Fasher in Kadugli wiederholen“, sagte Smith vom WFP.
„Da sich die Frontlinien nun auf Kordofan konzentrieren, zwingt jeder Zusammenstoß mehr Familien zur Flucht, was die humanitären Nöte in einer Zeit verschärft, in der die Ressourcen ohnehin schon knapp sind.“
Das WFP hat es geschafft, im Oktober einen Konvoi nach Kadugli zu schicken, und zwei weitere stehen bereit, sobald die Genehmigungen vorliegen.
Am Freitag veröffentlichte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) einen besorgniserregenden Bericht, aus dem hervorgeht, dass sich die Sicherheitslage in der Region Kordofan weiter verschlechtert hat. Nach einer Woche intensiver Kämpfe soll die RSF eine Basis der sudanesischen Streitkräfte (SAF) in Babanusa im Bundesstaat West-Kordofan eingenommen haben.
Weitere Drohnenangriffe in Heglig, West-Kordofan, haben die Risiken für die Zivilbevölkerung nach der Einnahme der Stadt durch die RSF am Montag noch verstärkt. Lokale Quellen in Babanusa berichten außerdem, dass bewaffnete Gruppen etwa 100 Menschen festgenommen haben, die aus dem Bundesstaat Nord-Kordofan zurückkehrten, und Lösegeld forderten. Ihr Verbleib ist weiterhin unbekannt.
Unterdessen bleiben in Süd-Kordofan „Zivilisten in belagerten Städten wie Kadugli und Dilling gefangen, und während Frauen, Kinder und ältere Menschen Wege zur Flucht finden, werden Männer und Jugendliche oft zurückgelassen, da sie auf den Fluchtwegen besonderen Gefahren ausgesetzt sind, wie beispielsweise der Inhaftierung durch bewaffnete Gruppen wegen ihrer vermeintlichen Zugehörigkeit zu Konfliktparteien“, so das UNHCR.
Die neuesten Daten zeigen, dass seit Mitte November mehr als 40.000 Menschen aus Nord-Kordofan vertrieben wurden.
„Das UNHCR reagiert über seine Partner vor Ort auf die dringenden Bedürfnisse der Vertriebenen, aber der Zugang bleibt schwierig und die Ressourcen sind äußerst knapp“, so das Flüchtlingshilfswerk.
Die größte humanitäre Krise der Welt
Die Situation im Sudan stellt nicht nur die größte humanitäre Krise der Welt dar, sondern auch eine der schwersten. Der anhaltende Konflikt zwischen den beiden bewaffneten Fraktionen des Landes, der SAF und der RSF, hat zu beispiellosen Vertreibungen, Hunger, Gewalt und Leid geführt.
Aufgrund von Krieg, akuter Ernährungsunsicherheit und Unterernährung, Krankheitsausbrüchen und sich verschärfenden Klimaschocks werden im Jahr 2026 mehr als 33 Millionen Menschen im Sudan humanitäre Hilfe benötigen.
Laut dem jüngsten Bericht der Integrierten Klassifizierung der Ernährungssicherheit (IPC) sind über 19 Millionen Menschen von kritischer Ernährungsunsicherheit betroffen, und etwa 375.000 Menschen leben unter katastrophalen Bedingungen.
Nach Angaben des FRC herrscht derzeit Hungersnot in El Fasher und Kadugli, zwei Städten, in denen die Schwellenwerte für Hungersnot in Bezug auf Nahrungsmittelkonsum, akute Unterernährung und Sterblichkeit überschritten wurden.
Der jüngste Bericht des FRC warnt vor der unmittelbaren Gefahr einer Hungersnot in weiteren 20 Gebieten des Sudan und stellt fest, dass die Bedingungen in der belagerten Stadt Dilling denen in Kadugli ähneln. Aufgrund des eingeschränkten humanitären Zugangs und der anhaltenden Feindseligkeiten kann die IPC dieses Gebiet jedoch nicht beurteilen.
Im April 2023 brachen Kampfhandlungen zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces aus, nachdem der Übergang zu einer zivilen Regierung gescheitert war. Dieser Zusammenbruch war eine Folge des Sturzes des langjährigen Machthabers Omar al-Bashir vier Jahre zuvor. Der darauf folgende massive Konflikt hat Gemeinden zerstört, Millionen Menschen vertrieben und eine ohnehin schon schlimme humanitäre Krise in eine Katastrophe verwandelt.
Der Sudan, ein Land, das reich an Gold und Öl ist, den Hauptursachen für den Krieg und die Einmischung von ausländischen Mächten, ist zum Schauplatz der weltweit größten humanitären Krise, Hungerskrise und Vertreibungskrise geworden. Von einer Bevölkerung von 47 Millionen Menschen sind derzeit etwa 15 Millionen Menschen vertrieben, darunter über 10 Millionen Binnenvertriebene.
Am Donnerstag forderte das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) die internationale Gemeinschaft erneut auf, ihre Unterstützung zu verstärken, damit lebensrettende Hilfe die Menschen in Not im gesamten Sudan erreichen kann.
Am Freitag verurteilte UN-Generalsekretär António Guterres erneut alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur im Sudan. Er forderte alle Konfliktparteien auf, ihren Verpflichtungen nach dem Völkerrecht, einschließlich des humanitären Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsnormen, in allen Konfliktgebieten im Sudan nachzukommen.
Während dieser verheerende Krieg seit fast 1000 Tagen andauert, wiederholte Guterres seinen Aufruf an alle Staaten, die Einfluss auf die Konfliktparteien haben, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, ihren Einfluss geltend zu machen und eine sofortige Einstellung der Kämpfe und des Waffenflusses, der den Konflikt schürt, zu erzwingen.
Am Samstag verurteilte der Generalsekretär aufs Schärfste die Drohnenangriffe, die am selben Tag auf die Logistikbasis der Friedenstruppen der Vereinten Nationen in Kadugli verübt wurden. Bei den Angriffen kamen sechs UN-Soldaten ums Leben und acht weitere wurden verletzt, allesamt Angehörige des bangladeschischen Kontingents der Interimssicherheitskräfte der Vereinten Nationen für Abyei (UNISFA).