Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat mit dem Abwurf von Nahrungsmitteln für Tausende Familien im südsudanesischen Bundesstaat Upper Nile begonnen, wo seit März Konflikte toben, Zehntausende aus ihrer Heimat vertrieben wurden und einige Gemeinden am Rande einer Hungersnot stehen. Laut einem aktuellen UN-Bericht gehört der Südsudan zu den fünf Brennpunkten des Hungers weltweit, wo Menschen unter extremem Hunger, Unterernährung und Todesgefahr leiden.
Zum ersten Mal seit über vier Monaten kann das WFP damit lebensrettende Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel an über 40.000 Menschen liefern, die in den abgelegensten Gebieten der Bezirke Nasir und Ulang, die nur auf dem Luftweg erreichbar sind, von katastrophalem Hunger bedroht sind.
„Der Zusammenhang zwischen Konflikt und Hunger ist in Südsudan tragisch deutlich, und wir haben dies in den letzten Monaten in Upper Nile gesehen“, sagte Mary-Ellen McGroarty, WFP-Länderdirektorin in Südsudan, in einer Erklärung am Montag.
„Ohne eine massive Aufstockung der Hilfe droht den Bezirken Nasir und Ulang eine ausgewachsene Hungersnot. Wir müssen diese Familien dringend mit Lebensmitteln versorgen und tun alles in unserer Macht Stehende, um diejenigen zu erreichen, die Hilfe am dringendsten benötigen, bevor sich die Lage weiter zuspitzt.“
Seit März haben politische Instabilität und zunehmende Feindseligkeiten zwischen bewaffneten Gruppen zu Zusammenstößen im Bundesstaat Upper Nile geführt, die Menschenleben gekostet und wichtige Versorgungsdienste zerstört haben. Dies hat viele Menschen, die bereits mit Vertreibung, Krankheit und Ernährungsunsicherheit zu kämpfen hatten, erneut zur Flucht gezwungen.
Die drastische Verschlechterung der politischen und sicherheitspolitischen Lage im Land droht die bisherigen Friedensfortschritte zu untergraben und das Land erneut in einen Krieg zu stürzen. Die Spannungen wurden durch interne Konflikte verschärft, insbesondere zwischen den Truppen, die Präsident Salva Kiir treu ergeben sind, und denen, die sich auf die Seite von Vizepräsident Riek Machar gestellt haben.
Im gesamten Bundesstaat Upper Nile leiden mehr als eine Million Menschen unter akutem Hunger, darunter über 32.000 Frauen, Kinder und Männer, die von katastrophalem Hunger (IPC5) betroffen sind, der höchsten Stufe der Ernährungsunsicherheit. Die Lage wird sich weiter verschärfen, wenn nicht umgehend humanitäre Hilfe in großem Umfang geleistet wird.
Die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden, hat sich seit dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts im März verdreifacht, der zu Massenfluchtbewegungen, auch über die Grenze nach Äthiopien, geführt hat. Dort versorgt das WFP rund 50.000 Menschen, die auf der Suche nach Nahrung und Sicherheit aus dem Bundesstaat Upper Nile geflohen sind, mit lebensrettender Nahrungsmittelhilfe.
Die UN-Organisation has sich zum Ziel gesetzt, während der mageren Jahreszeit, der hungrigsten Zeit des Jahres, die bis August dauert, 470.000 Menschen in Upper Nile und North Jonglei zu versorgen. Anhaltende Kämpfe und logistische Einschränkungen behindern jedoch den Zugang und umfassende Hilfsmaßnahmen.
Bislang konnte das WFP in diesem Jahr nur 300.000 Menschen in Upper Nile erreichen. Die UN-Organisation erklärt, dass die wichtigsten Flusswege in den Bundesstaat dringend wieder geöffnet werden müssen, um hungernden Familien nachhaltig humanitäre Hilfe leisten zu können.
Nach Angaben des WFP sind diese Wege die kostengünstigste Möglichkeit, um weite Teile von Upper Nile und Northern Jonglei mit lebenswichtiger Hilfe zu versorgen, doch seit Mitte April sind sie durch aktive Kampfhandlungen blockiert. Die Organisation hat 1.500 Tonnen Lebensmittel bereitstehen, die, sobald die Flusswege wieder befahrbar sind, transportiert werden können.
„Dort, wo wir kontinuierlich liefern konnten, haben wir echte Fortschritte gesehen“, sagte McGroarty.
„In der ersten Hälfte dieses Jahres haben wir durch regelmäßige Lieferungen von Nahrungsmittelhilfe den katastrophalen Hunger in Gebieten des Bundesstaates Jonglei zurückgedrängt, und wir können dasselbe in Upper Nile tun. Aber wenn wir die Lebensmittel nicht zu den Menschen bringen können, wird sich der Hunger verschärfen und eine Hungersnot ist eine reale und unmittelbare Gefahr.“
Der Südsudan erlebt eine der schwersten humanitären Krisen weltweit und sieht sich mit einer der schlimmsten humanitären Aussichten seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 2011 konfrontiert. Rund 9,3 Millionen Menschen – etwa die Hälfte davon Kinder – benötigen humanitäre Hilfe.
Ein drastischer Rückgang der weltweiten Finanzmittel für Nothilfe verschärft die ohnehin schon dramatische humanitäre Lage im Land. Landesweit sind 7,7 Millionen Menschen – 57 Prozent der Bevölkerung – von einer kritischen, akuten oder katastrophalen Ernährungsunsicherheit betroffen. Davon leiden 83.000 Menschen unter katastrophalem Hunger (IPC5) und rund 2,4 Millionen unter einer Hungernotlage (IPC4).
Eine noch nie dagewesene Zahl von 2,3 Millionen Kindern unter fünf Jahren ist von Unterernährung bedroht. Von diesen Kindern leiden mehr als 714.000 an schwerer akuter Unterernährung (SAM) und benötigen dringend medizinische Hilfe.
Aufgrund von Finanzierungslücken hat das WFP beschlossen, die reduzierten Rationen vorrangig an 2,5 Millionen Menschen zu verteilen, die am stärksten gefährdet sind – das sind nur 30 Prozent der Menschen in akuter Not –, um die begrenzten Ressourcen zu strecken. Für die Fortsetzung der lebensrettenden Maßnahmen bis Dezember benötigt die UN-Organisation dringend 274 Millionen US-Dollar.