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  1. Humanitäre Nachrichten

Sudan: UN fordern RSF auf, die Tötung von Menschen auf der Flucht aus El-Geneina in Darfur zu beenden

Von Simon D. Kist , 25 Juni 2023

Das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen hat die Führung der Rapid Support Forces (RSF) aufgefordert, die Tötung von Menschen, die aus El-Geneina im sudanesischen Bundesstaat West-Darfur fliehen, unverzüglich zu verurteilen und zu beenden. Das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) erklärte, es sei sehr besorgt über Berichte über "mutwillige Tötungen" durch "arabische" Milizen, die von der RSF unterstützt werden und vor allem Männer aus der Masalit-Gemeinschaft ins Visier nehmen.

In einer schriftlichen Erklärung vom Samstag sagte OHCHR-Sprecherin Ravina Shamdasani, dass Befragungen von Personen, die aus El-Geneina, West-Darfur, nach Adre im Tschad geflohen sind, "entsetzliche Berichte" über Menschen enthüllten, die von RSF-unterstützten Milizen getötet wurden.

"Unsere Mitarbeiter der UN-Menschenrechtsabteilung haben mehrere, sich gegenseitig bestätigende Berichte gehört, wonach die "arabischen" Milizen vor allem männliche Erwachsene aus der Masalit-Gemeinschaft ins Visier nehmen. Alle Befragten berichteten auch von Leichen, die auf der Straße verstreut lagen, und von dem Gestank der Verwesung", sagte Shamdasani.

Mehrere Personen, die mit dem OHCHR sprachen, berichteten, Dutzende von Leichen in einem Gebiet namens Shukri gesehen zu haben, das etwa 10 Kilometer von der Grenze entfernt liegt und in dem eine oder mehrere der arabischen Milizen einen Stützpunkt haben sollen.

"Wir sind zutiefst besorgt, dass diese mutwilligen Tötungen andauern und drängen auf sofortige Maßnahmen, um sie zu beenden. Den Menschen, die aus El-Geneina fliehen, muss sicheres Geleit garantiert werden, und humanitäre Organisationen müssen Zugang zu dem Gebiet erhalten, um die sterblichen Überreste der Getöteten zu bergen", so die Sprecherin.

Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros haben 14 der 16 befragten Personen ausgesagt, dass sie Zeugen von Hinrichtungen und gezielten Angriffen auf Gruppen von Zivilisten auf der Straße zwischen El-Geneina und der Grenze zum Tschad waren - "entweder der Erschießung von Menschen, denen befohlen wurde, sich auf den Boden zu legen, aus nächster Nähe oder der Eröffnung des Feuers auf Menschenmengen". 

Die Zeugenaussagen berichteten von Tötungen, die am 15. und 16. Juni, aber auch in der vergangenen Woche stattfanden. 

"Wir wissen, dass die Morde und andere Gewalttaten weitergehen und von anhaltenden Hassreden gegen die Gemeinschaft der Masaliten begleitet werden, einschließlich Aufrufen, sie zu töten und aus dem Sudan zu vertreiben", sagte Shamdasani.

"Der Hohe Kommissar für Menschenrechte fordert die Führung der RSF auf, die Tötung von Menschen, die aus El-Geneina fliehen, sowie andere Gewalttaten und Hassreden gegen sie aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit unverzüglich und unmissverständlich zu verurteilen und zu beenden. Die Verantwortlichen für die Morde und andere Gewalttaten müssen zur Rechenschaft gezogen werden." 

El-Geneina wird seit dem 24. April von der RSF und verbündeten bewaffneten Gruppen immer wieder massiv angegriffen. Die Milizen haben die von den Masalit bewohnten Bezirke ins Visier genommen, den Personen- und Warenverkehr sowie die humanitäre Hilfe behindert und wichtige Gemeinschaftseinrichtungen zerstört.

Das OHCHR erklärte am Samstag, El-Geneina sei unbewohnbar geworden, da wesentliche Infrastrukturen zerstört seien, und der Transport von humanitärer Hilfe in die Stadt weiterhin blockiert werde. 

"Wir fordern die sofortige Einrichtung eines humanitären Korridors zwischen dem Tschad und El-Geneina und die sichere Ausreise von Zivilisten aus den von den Feindseligkeiten betroffenen Gebieten", so Shamdasani.

Der Sudan wurde am 15. April ins Chaos gestürzt, als es zu Zusammenstößen zwischen den Truppen zweier rivalisierender Generäle kam. Die sudanesische Armee unter der Führung von Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärischen Rapid Support Forces unter dem Kommando von Mohamed Hamdan Daglo liefern sich seit mehr als zwei Monaten Kämpfe im Lande, welche die Hauptstadt verwüstet haben und sowohl in Khartum als auch in Darfur, einer riesigen Region im Westen des Landes, die an den Tschad grenzt, zu massiver Gewalt geführt haben.

In dieser Woche kam es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen dem Militär und der RSF, nachdem am Mittwoch ein 72-stündiger Waffenstillstand ausgelaufen war. Medienberichten zufolge waren die Kämpfe in West-Darfur am heftigsten, wo die von der RSF unterstützten Milizen Zivilisten angriffen und Tausende zur Flucht zwangen. Die Stadt El-Geneina war am stärksten von den Angriffen der Milizen betroffen.

Seit Beginn der Auseinandersetzungen Mitte April wurden fast 2,6 Millionen Menschen vertrieben, darunter etwa 2 Millionen Binnenvertriebene und rund 600.000 Menschen, die in Nachbarländer geflohen sind. Mehr als 150.000 Menschen haben Zuflucht im Tschad gesucht. 

Der Bedarf an humanitärer Hilfe im Sudan war bereits vor der Zuspitzung der Lage so groß wie nie zuvor. Die Zahl der Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, beläuft sich derzeit auf 24,7 Millionen - mehr als die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung. Unter ihnen befinden sich 13 Millionen Kinder, die dringend lebensrettende humanitäre Unterstützung benötigen.

Vor Beginn der Kämpfe beherbergte der Sudan etwa 1,2 Millionen Flüchtlinge, eine der größten Flüchtlingspopulationen Afrikas, und etwa 3,7 Millionen Sudanesen wurden innerhalb des Landes vertrieben, vor allem in der Region Darfur, in der die Sicherheitslage seit 2003 äußerst instabil ist. 

Im Juni 2023 sind etwa 5,7 Millionen Frauen, Männer und Kinder Binnenvertriebene. Mehr als 800.000 Sudanesen waren vor der Eskalation der Auseinandersetzungen in die Nachbarländer geflohen. Die Zahl der Menschen, die aus dem Sudan geflüchtet sind, wird inzwischen auf mehr als 1,4 Millionen Menschen geschätzt.

Weitere Informationen

Vollständiger Text: Comment by UN Human Rights Spokesperson Ravina Shamdasani, raising alarm on killings of people fleeing El Geneina in West Darfur, Sudan, published June 24, 2023 (in Englisch)
https://www.ohchr.org/en/statements-and-speeches/2023/06/comment-un-human-rights-spokesperson-ravina-shamdasani-raising

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  • Sudan
  • Menschenrechte
  • Vertreibung

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