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  1. Humanitäre Nachrichten

Krieg im Sudan: UN-Bericht dokumentiert weitverbreitete sexuelle Gewalt

Von Simon D. Kist , 24 Juni 2026

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen (OHCHR) hat am Dienstag einen Bericht veröffentlicht, der die seit Beginn der Feindseligkeiten im April 2023 im Sudan weitverbreitete konfliktbedingte sexuelle Gewalt sowie deren tiefgreifende langfristige Auswirkungen auf Opfer, Familien und Gemeinschaften dokumentiert. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass sexuelle Gewalt mit der geografischen Ausbreitung des Konflikts und den weitreichenden Vertreibungen einherging und konsequent als Taktik eingesetzt wurde, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und zu traumatisieren.

„Zwischen dem 15. April 2023 und Mitte April dieses Jahres gab es im Sudan mindestens 546 Vorfälle konfliktbedingter sexueller Gewalt, von denen nach unseren eigenen Überprüfungen mindestens 838 Opfer betroffen waren. Doch diese Zahlen stellen nur die Spitze des Eisbergs dar, da die meisten Fälle nicht gemeldet werden“, erklärte OHCHR-Sprecher Seif Magango am Dienstag vor Journalisten in Genf.

Seit Beginn des Konflikts bis Mitte April dieses Jahres hat das UN-Menschenrechtsbüro Vorfälle konfliktbezogener sexueller Gewalt in 16 der 18 sudanesischen Bundesstaaten verifiziert, von denen mindestens 539 Frauen, 284 Mädchen, acht Männer und sieben Jungen betroffen waren. Die anhaltende Untererfassung verschleiert dabei das volle Ausmaß der sexuellen Gewalt.

„Bei fast einem Viertel der dokumentierten Vorfälle handelte es sich um Gruppenvergewaltigungen. In einem Fall wurde ein Mädchen von mindestens zehn Männern vergewaltigt. Zu den weiteren begangenen Taten zählen neben Vergewaltigung und Gruppenvergewaltigung auch sexuelle Sklaverei, Zwangsheirat, Zwangsprostitution, sexuelle Folter und Menschenhandel zum Zweck sexueller Gewalt“, sagte Magango.

Das OHCHR hat mindestens 85 Fälle dokumentiert, in denen Frauen und Mädchen in sexueller Sklaverei gehalten, zu Hausarbeit gezwungen und dazu verpflichtet wurden, Einkommen zu erwirtschaften. Der Bericht dokumentiert zudem den Tod von mindestens dreizehn Frauen, Männern und Kindern, von denen die meisten nach brutalen Gruppenvergewaltigungen starben.

Das jüngste Opfer dieser Vergewaltigungen war neun Jahre alt. Viele weitere litten unter schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen, die durch das Fehlen funktionierender Gesundheitseinrichtungen noch verschlimmert wurden. Mindestens 59 Frauen und Mädchen wurden infolge einer Vergewaltigung schwanger oder brachten ein Kind zur Welt.

Der Bericht warnt, dass Frieden und sozialer Zusammenhalt im Sudan auf Jahre hinaus untergraben werden, sofern die Muster und Auswirkungen konfliktbezogener sexueller Gewalt nicht durch Gerechtigkeit und opferzentrierte Maßnahmen sowie durch Bemühungen zur Bekämpfung von Stigmatisierung und Diskriminierung angegangen werden.

Die meisten der nachgewiesenen Gewalttaten wurden Männern in Uniformen der Rapid Support Forces (RSF), deren Verbündeten und arabischen Milizen zugeordnet. Vorfälle wurden zudem den sudanesischen Streitkräften (SAF), mit ihnen verbundenen Sicherheitskräften, den Joint Forces, anderen bewaffneten Bewegungen und bewaffneten Milizen zugeschrieben.

Dem Bericht zufolge gibt es in der sudanesischen Region Darfur begründete Anhaltspunkte für die Annahme, dass einige im Rahmen eines weit verbreiteten und systematischen Angriffs auf die Zivilbevölkerung begangene Akte sexueller Gewalt Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnten.

Nach Angaben des OHCHR wurde sexuelle Gewalt nicht nur im Rahmen ethnisch motivierter Angriffe, sondern auch als Vergeltungsmaßnahme aufgrund einer vermeintlichen Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen ausgeübt. Viele Opfer aus der ethnischen Gruppe der Masalit aus West-Darfur berichten, dass ihre Angreifer sie nach ihrem Stamm fragten, bevor sie sie vergewaltigten.

„Wie ich bereits am Ende meiner Mission im Sudan im Januar gewarnt habe, wird sexuelle Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt. Dies ist ein Kriegsverbrechen und, wenn es im Rahmen eines weit verbreiteten oder systematischen Angriffs begangen wird, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, am Dienstag in einer Stellungnahme.

Er forderte zeitnahe, unabhängige und unparteiische Ermittlungen zu den während des Konflikts begangenen sexuellen Gewalttaten, um die Rechenschaftspflicht sicherzustellen.

„Anhaltende Straflosigkeit verschlimmert das Leid eindeutig und verstärkt den Kreislauf von Verstößen und Misshandlungen“, sagte Türk.

„Alle Täter, einschließlich derjenigen, die Befehlsverantwortung tragen, müssen in vollem Umfang zur Rechenschaft gezogen werden, und den Opfern muss der Zugang zu wirksamen Mitteln der Rechtsdurchsetzung, einschließlich Wiedergutmachung, garantiert werden.“

Der Bericht verlangt von den Konfliktparteien, konkrete und überprüfbare Maßnahmen zur Verhinderung sexueller Gewalt zu ergreifen. Er fordert zudem die internationale Gemeinschaft nachdrücklich auf, sicherzustellen, dass Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht im Mittelpunkt ihrer Unterstützung für Waffenstillstands- und Konfliktlösungsbemühungen stehen.

Der vom OHCHR dokumentierte weit verbreitete Einsatz sexueller Gewalt spiegelt ein umfassenderes Muster der Gefährdung der Zivilbevölkerung während des Konflikts wider. Seit dem Ausbruch der Kämpfe vor mehr als drei Jahren haben Angriffe auf Zivilisten, Massenvertreibungen und der Zusammenbruch grundlegender Versorgungssysteme zu einer sich verschärfenden humanitären Notlage im Land geführt.

Fast 34 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe und Schutz

Am 15. April 2023 brachen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum heftige Kämpfe zwischen den SAF und der RSF aus. Die Gewalt breitete sich rasch im ganzen Land aus und zwang Millionen Menschen zur Flucht aus ihren Häusern. Der Konflikt, der als Machtkampf zwischen den SAF und der RSF begann, hat landesweit zum Zusammenbruch des Gesundheitswesens, der Nahrungsmittelversorgung und des Schutzes der Zivilbevölkerung geführt.

Dieser Krieg wird mit einer bislang unbekannten Brutalität gegen Zivilisten geführt, insbesondere in den Regionen Darfur und Kordofan. Vor allem die RSF wird beschuldigt, Massenmorde und Vergewaltigungen als Mittel der Kriegsführung begangen zu haben. Allerdings stehen beide Konfliktparteien im Verdacht, schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.

Zehntausende wurden aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ins Visier genommen, was zu Tod, Verletzungen, Missbrauch und Ausbeutung geführt hat. Dies hat immer mehr Menschen dazu gezwungen, vor der Gewalt zu fliehen. Die durch Konflikte verursachte Vertreibung ist nach wie vor extrem hoch: Fast 14 Millionen Menschen sind aufgrund der anhaltenden Kriegshandlungen und früherer Konflikte auf der Flucht.

Das Ausmaß der humanitären Katastrophe im Sudan ist beispiellos. Derzeit benötigen Schätzungen zufolge 33,7 Millionen Menschen – fast zwei Drittel der sudanesischen Bevölkerung – humanitäre Hilfe und Schutz. Zu den Menschen in akuter Not zählen über 20 Millionen Kinder.

Die Zerstörung der zivilen Infrastruktur, darunter Märkte, Gesundheitseinrichtungen, Wasserversorgungssysteme und landwirtschaftliche Anlagen, hat die Nahrungsmittelproduktion und den Zugang zu grundlegenden Versorgungseinrichtungen im gesamten Sudan stark eingeschränkt.

Rund 40 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nicht funktionsfähig, und schätzungsweise 21 Millionen Menschen benötigen medizinische Hilfe. Darüber hinaus haben etwa 17 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 24 Millionen keinen Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen.

Das Leben von Millionen Sudanesen ist weiterhin in Gefahr, während die Welt weiterhin die Augen vor der enormen humanitären Notlage verschließt, mit der dieses vom Krieg zerrüttete Land konfrontiert ist, das die weltweit größte vom Menschen verursachte Katastrophe erlebt.

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