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  1. Humanitäre Nachrichten

Sudan: Internationale Gemeinschaft muss handeln, um Katastrophe in El Obeid zu verhindern, fordern UN-Ermittler

Von Simon D. Kist , 8 Juli 2026

Die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für den Sudan hat am Mittwoch einen neuen Bericht veröffentlicht, in dem die brutalen Massenmorde, die systematischen Entführungen von Frauen und Mädchen sowie Massenvergewaltigungen durch die sudanesischen Rapid Support Forces (RSF) in El Fasher, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur, detailliert beschrieben werden. Der Bericht liefert weitere erschütternde Beweise dafür, dass die von den Konfliktparteien in dem nordafrikanischen Land begangenen Gräueltaten eindeutige Anzeichen für Völkermord darstellen.

Mit Nachdruck warnte die Untersuchungskommission, dass ähnliche Muster der zerstörerischen Gewalt gegen die Zivilbevölkerung derzeit auch in El Obeid, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan, zu beobachten sind, wo die Kommission eine dringende Untersuchung zu mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen und -verstößen einleitet.

Dieser jüngste Bericht ist ein ergänzendes Dokument, das auf den schweren Verstößen gegen das Völkerrecht aufbaut, welche die Kommission in ihrem früheren Bericht „„Merkmale eines Völkermordes“ dokumentiert hat, und liefert zusätzliche Beweise für Gräueltaten, darunter Inhaftierungen, Folter, Lösegeldforderungen und die gewaltsame Verschleppung von Zivilisten.

„Unsere Ermittlungen liefern nicht nur die Beweisgrundlage für unsere Erkenntnisse zu El Fasher, sondern spiegeln auch die fortgesetzten Untersuchungen der Kommission zu Verstößen wider, die Gemeinden in ganz Darfur verwüstet haben“, sagte Mohamed Chande Othman, Vorsitzender der Untersuchungskommission.

„Die Muster, die wir in El Fasher dokumentiert haben – darunter Einkesselung, Angriffe auf zivile Infrastruktur, Einschränkungen des humanitären Zugangs und weit verbreitete Übergriffe auf Zivilisten – dienen als eindringliche Warnung.“

Er betonte, dass die internationale Gemeinschaft diese Lehren beherzigen und handeln müsse, um eine weitere Katastrophe zu verhindern.

El Obeid: Eine belagerte Stadt

Der Bericht wurde vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über die Lage in El Obeid veröffentlicht, wo über eine halbe Million Einwohner und mehr als 100.000 Binnenvertriebene zunehmender Unsicherheit, Angriffen auf kritische Infrastruktur und Einschränkungen beim Zugang zu grundlegenden Versorgungseinrichtungen ausgesetzt sind.

Nach Berichten über eine erhebliche Truppenaufstockung durch die RSF und verbündete Kräfte rund um El Obeid haben die Vereinten Nationen mehrfach gewarnt, dass eine Offensive auf die Stadt zu weiteren schweren internationalen Verbrechen führen und die katastrophalen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung noch verschärfen könnte.

Humanitäre Organisationen berichten, dass die eskalierenden Drohnenangriffe der RSF auf El Obeid Zivilisten töten und den Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser und Treibstoff unterbrechen. Diese Angriffe ebnen vermutlich den Weg für eine Bodenoffensive, die Hunderttausende Menschen in Gefahr bringen würde. Drohnenangriffe beeinträchtigen bereits jetzt den Zugang zu lebenswichtigem Trinkwasser und Strom.

Die Einwohner von El Obeid leiden seit über 18 Monaten unter belagerungsähnlichen Bedingungen. Die Kontrolle über die Stadt und das umliegende Gebiet ist hart umkämpft, wobei sich die Frontlinien zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und der RSF wiederholt verschoben haben. Die Stadt ist zudem ein wichtiger Knotenpunkt für Hilfsmaßnahmen in der gesamten Region.

Der drohende Angriff auf die Stadt geschieht inmitten einer beispiellosen landesweiten Notlage. Schätzungsweise 33,7 Millionen Menschen – fast zwei Drittel der sudanesischen Bevölkerung, darunter über 20 Millionen Kinder – benötigen derzeit humanitäre Hilfe und Schutz aufgrund des Krieges, der im April 2023 ausgebrochen ist.

UN-Menschenrechtsrat ordnet dringende Untersuchung an

Am Montag verabschiedete der UN-Menschenrechtsrat (HRC) eine Resolution, in der er tiefe Besorgnis über die unmittelbare Gefahr weitreichender Gräueltaten durch die RSF in und um El Obeid zum Ausdruck brachte. Die Resolution forderte die Untersuchungskommission auf, eine dringende Untersuchung zu Verstößen gegen internationale Menschenrechtsnormen, Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht und damit verbundenen internationalen Verbrechen durchzuführen, die in dem Gebiet mutmaßlich begangen wurden.

Während der Dringlichkeitsdebatte am Freitag im HRC zu El Obeid warnte die Kommission, dass sich Muster, die zuvor in El Fasher beobachtet wurden, offenbar auch in El Obeid abzeichnen. Zu diesen Mustern gehören die Einkreisung der Stadt, Angriffe auf die Infrastruktur, zunehmende humanitäre Isolation und eskalierende Risiken für die Zivilbevölkerung. Die Kommission betonte, dass diese Warnzeichen bereits verheerenden Gräueltaten an anderen Orten im Sudan vorausgegangen seien, und forderte dringende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung.

„Die Lehren aus El Fasher dürfen nicht ignoriert werden“, sagte Mona Rishmawi, ein Expertin der Untersuchungskommission.

Sie wies darauf hin, dass der Bericht nicht nur die verheerenden Auswirkungen der in und um El Fasher begangenen Gräueltaten auf die Menschen aufzeige, sondern auch die Warnzeichen, die ihnen vorausgingen.

„Wir haben dieses Muster schon einmal gesehen: die Einkreisung von Städten, Angriffe auf zivile Infrastruktur, Einschränkungen des humanitären Zugangs und eskalierende Gewalt gegen Zivilisten. Das sind keine Einzelfälle – es sind Warnzeichen für weitere Gräueltaten“, sagte sie.

Rishmawi erklärte, dass die Konfliktparteien – und „diejenigen, die sie durch die fortgesetzte Lieferung von Waffen, Drohnen und anderen Formen der Unterstützung ermöglichen“ – jetzt handeln müssen, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

„Die internationale Gemeinschaft hat noch immer die Chance, weitere Gräueltaten zu verhindern. El Obeid darf nicht zum nächsten Tatort werden“, fügte sie hinzu.

Ermittler fordern mit Nachdruck Rechenschaftspflicht, Prävention und Schutz

Die Untersuchungskommission bekräftigte ihre Forderungen nach wirksamer Rechenschaftspflicht, einschließlich unverzüglicher Mitwirkung und Maßnahmen seitens des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH).

„Das in diesem Bericht dokumentierte Leid lässt sich nicht nur in Statistiken messen, sondern in den Leben von Frauen, Mädchen, Männern und Kindern, die unvorstellbare Gewalt erdulden mussten“, fügte Joy Ngozi Ezeilo, ein Expertin der Untersuchungskommission, hinzu.

„Rechenschaftspflicht bleibt unerlässlich, aber ebenso wichtig ist Prävention. In einer Zeit, in der ernsthafte Sorge um die Risiken für die Zivilbevölkerung in El Obeid geäußert wird, unterstreichen die Erkenntnisse aus El Fasher die Notwendigkeit dringender Schutzmaßnahmen, bevor weitere Menschenleben verloren gehen.“

Die Untersuchungskommission erklärte, dass sie ihre Ermittlungen fortsetzen und dem Menschenrechtsrat sowie der Generalversammlung gemäß der Resolution des Rates über die Lage in und um El Obeid Bericht erstatten werde.

Der jüngste Bericht der Kommission folgt auf einen aktuellen Bericht der Nichtregierungsorganisation Amnesty International von vergangener Woche, in dem aufgezeigt wird, dass die RSF während ihrer Offensive zur Einnahme von El Fasher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen begangen hat. Die Menschenrechtsorganisation wies darauf hin, dass die in ihrem Bericht dokumentierten Verbrechen sowie weitere mutmaßliche Straftaten, die derzeit untersucht werden, als Völkermord gewertet werden könnten.

Weitere Informationen

Volltext: Ergänzende Informationen zum Bericht „Sudan: Merkmale eines Völkermords in El Fasher“, Unabhängige Internationale Untersuchungskommission für den Sudan, Konferenzraumdokument, A/HRC/62/CRP.4, veröffentlicht am 8. Juli 2026 (in Englisch)
https://www.ohchr.org/sites/default/files/documents/hrbodies/hrcouncil/ffm-sudan/a-hrc-62-crp.4.pdf

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