Ein am Donnerstag vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) veröffentlichter Bericht zeigt, dass die weltweite Zahl der Vertriebenen zwar weiterhin alarmierend hoch ist, aber zum ersten Mal seit zehn Jahren leicht zurückgegangen ist. Ende 2025 war einer von 70 Menschen – oder 1,4 Prozent der Weltbevölkerung – aufgrund von Konflikten, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen oder Ereignissen, die die öffentliche Ordnung ernsthaft störten, gewaltsam vertrieben.
Von den 117,8 Millionen Menschen, die Ende vergangenen Jahres von Vertreibung betroffen waren, entfielen Schätzungen zufolge 45 Millionen auf Kinder. Etwa zwei Drittel der Flüchtlinge und Personen, die internationalen Schutz benötigten, lebten in Ländern, die an ihre Herkunftsländer grenzen. Gleichzeitig nahmen Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen 68 Prozent der weltweiten Flüchtlinge und Asylsuchenden auf.
Gemischte Trends bei den weltweiten Rückkehrbewegungen
Im Jahr 2025 entkamen etwa 5,4 Millionen Menschen Gewalt und Verfolgung, indem sie in andere Länder flohen. Der Bericht zeigte jedoch auch, dass die Rückkehrbewegungen an Dynamik gewannen.
Im vergangenen Jahr kehrten etwa 14,7 Millionen Vertriebene in ihre Herkunftsländer oder -gebiete zurück, darunter 4,4 Millionen Flüchtlinge und 10,3 Millionen Binnenvertriebene (IDPs). Es gab einen starken Anstieg der Rückkehrerzahlen in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo (DRK), dem Sudan und Syrien.
Während die Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien und die Rückkehr von Binnenvertriebenen innerhalb des Sudans vor allem auf die verbesserte Sicherheitslage in zumindest einigen Teilen dieser beiden Länder zurückzuführen war, wurden Millionen Menschen aus dem Iran und Pakistan unter Zwang in die prekären Lebensbedingungen in Afghanistan zurückgeschickt. Ebenso wurden Millionen von Binnenvertriebenen in der DRK von einer nichtstaatlichen bewaffneten Gruppe zur Rückkehr gezwungen.
Insgesamt zeigen die Daten des UNHCR, dass die Zahl der Flüchtlinge weltweit im Jahr 2025 um 3 Prozent auf insgesamt 41,6 Millionen zurückging, während die Gesamtzahl der Vertriebenen um 4 Prozent sank, von 123 Millionen im Jahr 2024 auf 117,8 Millionen im Jahr 2025 sank.
In einer weiteren positiven Entwicklung erhielten im vergangenen Jahr fast 46.000 Staatenlose in 24 Ländern die Staatsbürgerschaft. Allerdings wurden Ende 2025 weltweit immer noch schätzungsweise 4,5 Millionen Staatenlose gezählt, was einem Anstieg von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Große Krisen und Aufnahmeländer
Der UNHCR-Bericht zu globalen Trends zeigt, dass mehr als 70 Prozent der Flüchtlinge und anderer Personen, die internationalen Schutz benötigen, aus nur sechs Ländern stammten, die mit einigen der weltweit größten humanitären Krisen zu kämpfen haben: Afghanistan, Südsudan, Sudan, Syrien, Ukraine und Venezuela.
Zu den größten Aufnahmeländern für Flüchtlinge und andere Personen, die internationalen Schutz benötigten, gehörten im Jahr 2025: Kolumbien (2,8 Millionen), Deutschland (2,7 Millionen), die Türkei (2,4 Millionen), Uganda (1,9 Millionen), der Iran (1,7 Millionen), der Tschad (1,5 Millionen) und Pakistan (1,3 Millionen).
Nach Angaben des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) waren Ende 2025 etwa 68,6 Millionen Menschen aufgrund von Konflikten oder Gewalt innerhalb ihres Landes vertrieben, was einem Rückgang von 7 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Der Sudan blieb dabei mit 9,1 Millionen innerhalb des Landes entwurzelten Menschen die weltweit größte Binnenvertreibungskrise.
Eskalationen im Nahen Osten im Jahr 2026
Seit Ende Februar 2026 haben eskalierende Feindseligkeiten im Iran und im Libanon zu weitreichenden Vertreibungen, Opfern unter der Zivilbevölkerung und erheblichen Schäden an Wohnhäusern und ziviler Infrastruktur geführt.
Bis Ende März 2026 hatte der Krieg der USA und Israels gegen den Iran 3,2 Millionen Menschen im Iran vorübergehend vertrieben, während israelische Angriffe im Libanon bis Juni 2026 zur Vertreibung von über 1 Million Menschen im Libanon und zur Flucht von über 500.000 Menschen nach Syrien geführt haben.
Neue Lösungen für Millionen von Menschen: Von Hilfe zu Eigenständigkeit
Da 70 Prozent der Flüchtlinge jahrelang im Exil gefangen sind und viele von ihnen unterhalb der Armutsgrenze leben, forderte Barham Salih, der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, die internationale Gemeinschaft auf, eine neue Initiative zu unterstützen, die darauf abzielt, Millionen Menschen aus der langfristigen Vertreibung und der Abhängigkeit von humanitärer Hilfe zu befreien.
„Für zu viele Flüchtlinge beginnt die Vertreibung als Rettungsanker, dauert aber ein Leben lang“, sagte Salih.
„Humanitäre Hilfe rettet Leben, aber sie ist nicht das Endziel und ermöglicht es Flüchtlingen nicht, zu aktiven Akteuren zu werden, die ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, der ein neues Gefühl von Hoffnung und Chancen für Menschen schafft, die vor Krieg und Verfolgung fliehen.“
Salih skizzierte ein ehrgeiziges Ziel: die Zahl der langfristig vertriebenen und auf humanitäre Hilfe angewiesenen Flüchtlinge in den nächsten zehn Jahren zu halbieren, was die Zukunftsaussichten von Millionen von Menschen verbessern würde.
Laut UNHCR steht bei diesem Ziel der Fokus auf Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, und das Ziel könnte durch die Ausweitung der Möglichkeiten für die Rückkehr von Flüchtlingen, die Umsiedlung und humanitäre Visa erreicht werden, während gleichzeitig ein Übergang von traditionellen Hilfsformen hin zur eigenständigen Versorgung vollzogen wird.
Die Initiative fordert Regierungen, humanitäre Organisationen, den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, den Privatsektor und die Zivilgesellschaft auf, ihre Bemühungen zur Stärkung der Selbstbestimmung von Flüchtlingen zu verstärken und gleichzeitig Asyl und Schutz zu gewährleisten.
Salih legte die Schritte dar, die zur Erreichung dieses Ziels erforderlich sind, das darauf abzielt, das selbstverdiente Einkommen von Flüchtlingen – ohne humanitäre Hilfe – auf die nationale Armutsgrenze ihres Aufnahmelandes anzuheben.
Ein weiterer wichtiger Pfeiler zur Erreichung des Ziels wird die Einbindung von Flüchtlingen in nationale Systeme wie Bildung, Gesundheitsversorgung, Finanzdienstleistungen und Arbeitsmärkte, damit sie Einkommen erzielen und zur lokalen und nationalen Wirtschaft beitragen können.
„Asyl und Schutz retten Leben und stehen nicht zur Debatte, aber wir können keine Zukunft akzeptieren, in der Millionen von Flüchtlingen jahrelang oder jahrzehntelang gefangen bleiben, ohne realistische Aussichten auf einen Neuanfang“, sagte Salih.
„Wir haben nun ein ehrgeiziges, erreichbares und messbares Ziel, um die Selbstständigkeit zu fördern und Leben zum Besseren zu verändern. Das UNHCR wird gesamtgesellschaftliche Anstrengungen mobilisieren, um diese Herausforderung zu meistern und für Millionen Menschen Wege aus der zermürbenden Monotonie langwieriger Vertreibung zu schaffen.“
Das UNHCR unterstrich, dass die freiwillige Rückkehr die vorrangige Lösung bleiben muss und dass die Beilegung einiger weniger großer Konflikte weltweit es Millionen zusätzlichen Flüchtlingen ermöglichen würde, sicher und in Würde in ihre Heimat zurückzukehren.
Weitere Informationen
Vollständiger Text: Globale Trends - Gewaltsame Vertreibung in 2025, UNHCR, Bericht, veröffentlicht am 11. Juni 2026 (in Englisch)
https://www.unhcr.org/media/global-trends-2025-report