Das humanitäre Länderteam (HCT) im Südsudan, das die Hilfsorganisationen im Land zusammenbringt, äußerte sich am Montag zutiefst besorgt über einen Befehl, den die Volksverteidigungskräfte des Südsudan am Freitag erteilt haben. Die Anordnung fordert, dass Zivilisten, die UN-Friedensmission, UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) den Bezirk Akobo im Bundesstaat Jonglei im Osten des Landes vor Beginn von Militäroperationen verlassen müssen.
Bei einer Pressekonferenz in New York am Montag betonte UN-Sprecher Stéphane Dujarric jedoch, dass die UN-Friedenstruppen bis heute in Akobo präsent sind und ihre Aufgaben weiterhin erfüllen.
Seit der Eskalation des Konflikts Ende Dezember 2025 sind die von der Opposition gehaltene Stadt Akobo und der gesamte Bezirk Jonglei zu einem Zufluchtsort für Menschen geworden, die vor der Gewalt im gesamten Bundesstaat fliehen. Akobo beherbergt derzeit etwa 270.000 Menschen, von denen viele auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um zu überleben. Mehr als die Hälfte der Menschen in Not sind Frauen und Kinder.
Im vergangenen Monat haben humanitäre Organisationen ihre lebensrettende Hilfe für Vertriebene und Aufnahmegemeinschaften vor Ort ausgeweitet. Die Unterbrechung dieser Hilfe gefährdet bereits Tausende von Menschen unmittelbar.
Das HCT warnt, dass jede militärische Operation in oder um Akobo, einem dicht besiedelten Gebiet, Zivilisten gefährden und zu einer katastrophalen humanitären Krise führen könnte. Nach Angaben von Hilfsorganisationen fliehen die Menschen aus Akobo in die äthiopische Region Gambella.
„Wir haben bereits einen erheblichen Zustrom von Menschen nach Äthiopien beobachtet und Berichte über Plünderungen in der Stadt Akobo erhalten“, heißt es in der Stellungnahme vom Montag.
Schutz von Zivilisten, ziviler Infrastruktur, humanitärem Personal und Hilfsgütern muss oberste Priorität haben
Das HCT bekräftigt, dass Zivilisten niemals angegriffen oder gewaltsam vertrieben werden dürfen. Jede Bewegung muss freiwillig, sicher und würdevoll sein und dem humanitären Völkerrecht entsprechen, das Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur strengstens verbietet.
Zusätzlich gibt es Berichte über Plünderungen in der Stadt Akobo, darunter auch im Hauptkrankenhaus, das wichtige Dienste für die Gemeinde leistet. Hilfsorganisationen berichten, dass einige Patienten in die südsudanesische Hauptstadt Juba verlegt wurden und dass das medizinische Personal das Krankenhaus verlassen hat, um sich in Sicherheit zu bringen.
Am Montag forderte das Amz der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) ebenso alle Konfliktparteien auf, ihren Verpflichtungen gemäß dem humanitären Völkerrecht nachzukommen, indem sie auf militärische Operationen in bevölkerten Gebieten verzichten und Zivilisten und zivile Infrastruktur schützen.
In seiner Stellungnahme forderte das HCT alle Konfliktparteien ausdrücklich auf, die während des jüngsten Besuchs des UN-Nothilfekoordinators Tom Fletcher gemachten Zusagen einzuhalten. Diese Zusagen sollen den Schutz der Zivilbevölkerung, des humanitären Personals, der Hilfsgüter und der Infrastruktur gewährleisten und einen sicheren und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe im gesamten Land garantieren.
Im vergangenen Monat hatte Fletcher eine fünftägige Mission im Südsudan unternommen, um die internationale Aufmerksamkeit auf die sich verschlechternde humanitäre Situation zu lenken.
„Wir fordern alle Parteien nachdrücklich auf, von militärischen Operationen in bevölkerten Gebieten abzusehen und Differenzen im Dialog beizulegen. Die Menschen im Südsudan brauchen Frieden“, heißt es abschließend in der Erklärung des HCT.
Über 263.000 Zivilisten wurden aufgrund von Konflikten im Jahr 2026 innerhalb des Landes vertrieben
Die jüngste Eskalation der anhaltenden Krise im Südsudan hat zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Südsudanesischen Volksverteidigungskräften (SSPDF) und der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee in Opposition (SPLA-IO) geführt. Diese Zusammenstöße haben seit Jahresbeginn über 263.000 Zivilisten in den Bundesstaaten Jonglei, Lakes, Upper Nile und Central Equatoria vertrieben.
Die Zusammenstöße haben Zivilisten gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen und in provisorischen Siedlungen oder im Busch Schutz zu suchen. Zusätzlich zur Vertreibung haben Zivilisten schwere Verletzungen erlitten und sind weiterhin ernsthaften Gefahren für ihre Sicherheit ausgesetzt, wie Berichte über Morde, Entführungen, Familientrennungen, geschlechtsspezifische Gewalt und durch Explosionen verletzte Kinder zeigen.
Auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sind betroffen: Seit Anfang Februar wurden mindestens drei von ihnen in den Bundesstaaten Jonglei und Upper Nile getötet.
Die humanitäre Lage in Jonglei bleibt fragil, da die intensiven Kämpfe zwischen der SSPDF und der SPLA-IO weiterhin zur Entwurzelung von Gemeinschaften und zur Unterbrechung der Grundversorgung in den nördlichen und zentralen Bezirken führen. Es gibt Berichte über fortgesetzte Bodengefechte, die Zerstörung ziviler Infrastruktur und sporadische Luftangriffe.
Südsudans humanitäre Lage verschlechtert sich rapide
Die Lage in Jonglei, Upper Nile und mehreren anderen Bundesstaaten hat sich so stark verschlechtert wie seit 2017 nicht mehr. Diese Verschlechterung erfolgt vor dem Hintergrund eskalierender Konflikte, die Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen und den Zugang für humanitäre Helfer erschweren. Außerdem ist es zu einer Zunahme von Menschenrechtsverletzungen gekommen, darunter die Zwangsrekrutierung von Kindern durch bewaffnete Gruppen.
Seit März 2025 haben politische Instabilität und zunehmende Feindseligkeiten zwischen bewaffneten Gruppen zu Zusammenstößen im Bundesstaat Upper Nile, im Bundesstaat Jonglei und in anderen Teilen des Landes geführt. In den vergangenen zwölf Monaten führten diese Zusammenstöße zu Todesfällen und Verwundeten sowie zur Zerstörung ziviler Infrastruktur. Dies zwang viele Vertriebene, die unter Krankheiten und Ernährungsunsicherheit leiden, erneut zur Flucht.
Die Vereinten Nationen warnen, dass Frauen, Mädchen, Kinder, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und andere schutzbedürftige Gruppen unverhältnismäßig großen Gefahren ausgesetzt sind, darunter einem erhöhten Risiko von Gewalt, Ausbeutung und schwerer Entbehrung.
Dieser jüngste Anstieg der Gewalt findet inmitten einer komplexen humanitären Krise im Südsudan statt, wo allein im Jahr 2025 mehr als 700.000 Menschen durch Konflikte und Überschwemmungen vertrieben wurden. Das Land steht vor einer multidimensionalen Notlage, darunter die Auswirkungen der Überschwemmungen des letzten Jahres, Krankheitsausbrüche und Ernährungsunsicherheit.
Laut dem jüngsten Bericht zur Ernährungssicherheit wird mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Südsudans – etwa 7,56 Millionen Menschen – während der mageren Jahreszeit von April bis Juli 2026 unter einer Hungerkrise oder Schlimmerem leiden. In den kommenden Monaten werden Zehntausende von einer Hungersnot bedroht sein.
Darüber hinaus leiden derzeit mehr als 2,1 Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Unterernährung und benötigen dringend Ernährungshilfe und medizinische Versorgung. Außerdem sind Schätzungen zufolge 1,15 Millionen schwangere und stillende Frauen im Südsudan unterernährt.
Erhöhtes Risiko eines umfassenden Krieges und massiver Gräueltaten
Der Südsudan ist einem erhöhten Risiko erneuter großflächiger Gewalt ausgesetzt, da sich die politischen Spannungen verschärfen und ethnisch motivierte Angriffe zunehmen, insbesondere in den Bundesstaaten Jonglei, Unity, Upper Nile und Central Equatoria.
Im Februar warnte die vom UN-Menschenrechtsrat (HRC) beauftragte Menschenrechtskommission im Südsudan, dass politische und militärische Führer das Revitalisierte Friedensabkommen von 2018 untergraben, wodurch Zivilisten gefährdet werden und ihnen erneut Konflikte, Massengräueltaten und schwere Verstöße gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht drohen.
In ihrem jüngsten Bericht an den HRC forderte die Kommission die sofortige Beendigung der Kampfhandlungen, die vollständige Wiederherstellung und Umsetzung des Revitalisierten Abkommens sowie die Einhaltung der internationalen rechtlichen Verpflichtungen des Südsudans.
„Im März letzten Jahres erklärte der Präsident, der Südsudan werde nicht in den Krieg zurückkehren. Im Gegenteil, wir haben einen alarmierenden Rückschritt erlebt“, sagte Yasmin Sooka, Vorsitzende der Kommission.
„Seitdem haben die Regierungstruppen weitreichende und systematische Angriffe gegen Zivilisten durchgeführt, darunter rechtswidrige Tötungen und wahllose, unverhältnismäßige Luftangriffe auf Wohnhäuser und medizinische Einrichtungen, die gegen die Grundsätze der Unterscheidung, Verhältnismäßigkeit und Vorsicht des humanitären Völkerrechts verstoßen.“
Darüber hinaus dokumentierte der Bericht der Kommission Fälle von konfliktbezogener sexueller Gewalt sowie die Entführung und Zwangsrekrutierung von Jungen.
„Zusammengenommen können diese Handlungen nach internationalem Recht Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen“, sagte Sooka.
Der Bericht stützt sich auf unabhängige Untersuchungen, die im Südsudan durchgeführt wurden, und konzentriert sich auf Vorfälle und Ereignisse im Jahr 2025, während er gleichzeitig auf beunruhigende neuere Entwicklungen im Jahr 2026 hinweist.
„Die Kommission stellte fest, dass die Streitkräfte unter dem Kommando der Regierungspartei derzeit die Hauptverantwortung für Angriffe auf Zivilisten tragen, darunter auch gezielte Angriffe aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit und der vermuteten politischen Zugehörigkeit“, fügte Sooka hinzu.
Weitere Informationen
Vollständiger Text: Erklärung des humanitären Länderteams für den Südsudan zur Lage in Akobo, Bundesstaat Jonglei, OCHA, Erklärung, veröffentlicht am 9. März 2026 (in Englisch)
https://reliefweb.int/report/south-sudan/south-sudan-humanitarian-country-team-statement-situation-akobo-jonglei-state